Statusbericht.
Ein paar eindruecke konnte ich nun schon sammeln. Die sind allerdings noch unvollstaendig und muessen noch vertieft warden.
Die stromversorgung basiert vor allem auf den solarpanells, ergaenzend wird ein benzinbetriebener generator benutzt. Der dient vor allem zum wasserpumpen. Ich habe allerdings den eindruck, dass manchmal auch die akkus per generator aufgeladen werden.
Dass der stromvorrat limitiert ist, scheint den meisten hier nicht so gegenwaertig zu sein. Man findet eher sorglosen umgang mit elektrischer energie, bis die akkus alle sind. Dann ist es eben dunkel und man muss sie nachladen. Unter umstaenden auch mit dem generator.
Das wasser wird aus einem bohrloch in einen etwa 5 bis 8 meter hohen verteilertank gepumpt. Im naeheren umkreis sind einige wasserhaehne als entnahmestellen angeschlossen. Der umgang mit wasser ist fuer unsere verhaeltnisse sehr sparsam und bewusst.
Waerme wird fast nur zum kochen, daneben auch fuer ein heisses bad gebraucht. Ein heisses bad bedeutet man kocht etwa drei oder vier liter wasser, mischt sie in einer 20 liter fassenden wasserschuessel mit kaltem wasser, traegt alles in ein abseits gelegenes hauschen, innen ganz leer, waende und boden aus beton, etwa 80 mal 80 cm grundflaeche, in einer ecke ein horizontaler abfluss, davor eine tuer. Die umgebungsluft ist auch abends warm genug, um nicht zu frieren, nachdem man sich ausgezogen hat oder bevor man sich abtrocknet. Mir macht diese art des badens spass, allerdings ist ein waschlappen essentiell. Eine unannehmlichkeit ist, dass die dunkelheit und evtl verbleibende pfuetzen am boden fuer die moskitos einen angenehmen lebensraum darstellen.
Die waerme selbst wird ausschliesslich durch holz und holzkohle bereitgestellt. In der naeheren und weiteren umgebung scheint es jedoch genuegend holz zu geben. Sogar trotz gelegendlichen braenden in der landschaft und der angewohnheit, von den wegen aufgefegte pflanzenreste ungenutzt zu verbrennen, habe ich bisher erst in groesserer entfernung zu masuku groessere flaechen ohne baeume gesehen. Allerdings kenne ich mich in der gegend noch nicht so gut aus. Aufforstung kommt in sambia insgesamt sicher in frage und ist sogar recht wichtig, wie ich vermute. Von masuku waeren in frage kommende flaechen allerdings ein stueck weg.
Abfall faellt relative wenig an, weil verpackungen ebenso selten sind, wie die produkte, die der verpackung beduerfen. Die versorgung mit guetern aller art ist von choma, der naechsten stadt (76km von hier) abhaengig. Die anfallenden abfaelle warden in 1,5 meter tiefen gruben gesammelt und gelegentlich angezuendet. Plastiktueten warden auch gerne als leicht entzuendliches material beim entzuenden der holzkohle verwendet. Ein teil der abfaelle, liegt und fliegt auch einfach in der gegend herum, besonders papier und plastiktueten.
Die schueler leben nach jungen und maedchen getrennt in grossen schlafsaelen. Es gibt oft doppelstockbetten, im schnitt etwa 12 je saal. Fuer etwa dreihundert internatsschuelerInnen stehen etwa 135 betten zur verfuegung. Das bedeutet, ueblicherweise schlafen zwei personen in jedem bett (90 cm breit), manchmal drei.
Bei unserer ankunft waren etwa 90 betten mit matrazen ausgestattet, in den anderen faellen schlafen die schueler auf den latten.
Moskitonetze sind zur zeit nicht aufgehaengt, ob sie von einem staatlichen programm verfuegbar waeren, weiss ich noch nicht. Es gibt nach groben schaetzungen im ganzen jahr und unter allen 450 schuelern etwa 60 faelle von malaria. die behandlung erfolgt meist in der krankenstation am ort, in schweren faellen im krankenhaus in choma.
Die Lehrer leben mit ihren familien in fuer europaeische verhaeltnisse kleinen haeusern nahe der schule. Sie sind mit moskitonetzen und eigenen akkus fuer elektrisches licht und ladegeraete ausgestattet. Allerdings geht auch hier der strom von zeit zu zeit aus.
Buecher werden im unterricht ueblicherweise nicht genutzt. Es gibt theoretisch die moeglichkeit, sich fuer die nachmitttaegliche lernperiode buecher beim fachbereichsleiter auszuleihen. Praktisch scheint das wenig verbreitet zu sein. Auch von den lehrern wird das buecherleihen zuerst alls gefahrenmoment wahrgenommen. Verlorengegangene oder gestohlene buecher scheinen eine typische erfahrung zu sein.
Die zahl der verfuegbaren buecher schwankt je nach fachbereich sehr stark.
Mathe verfuegt ueber etwa 25 buecher je altersstufe. Sie werden bisher fast nicht genutzt. In bio und physik gibt es etwa 5 buecher, die auch noch den stoff mehrerer jahre abdecken. Hanka und ich versuchen, sie kleinen schuelergruppen fuer kurze zeit zur vorbereitung von kurzreferaten zugaenglich zu machen.
Es gibt an der schule eine parents/teachers/association. Sie scheint nach dem allerersten eindruck nicht sehr aktiv oder sogar inaktiv zu sein. Ihre aufgaben beschraenken sich auch auf kontrolle und ueberwachung eventueller projekte.
Im letzten jahr gab es starke bautaetigkeit. Moeglich, dass die pta dort ueberwachend aktiv war.
Da noch nicht alle schueler angereist sind, ist noch unklar, ob die raumlichkeiten der unterkuenfte ausreichen. Es gibt weiterhin ein lehrerzimmer, je fachbereich einen sehr kleinen, aber ausreichenden vorbereitungsraum und je klasse einen klassenraum. Die ausnahme ist klasse acht, die in einem raum der grundschule untergebracht ist. Dort ist weder das signal zum stundenbeginn zu hoeren (jemand schlaegt inbruenstig auf eine alte metallfelge) noch ist ungestoertes lernen einfach. Die zahlreichen, neugierigen, wilden, kleinen grundschueler belagern die zwei tuerlosen eingaenge und es ist insgesamt lauter in den grundschulgebaeuden. Die wandfarbe und das wellblechdach sind auch in deutlich schlechterem zustand als in den highschoolgebaeuden.
In den klassenraumen gibt es nicht genuegend tische/baenke. Obwohl die klassen noch nicht vollstaendig sind, teilen sich oftmals drei schueler eine zweierbank.
Die schueler duerfen erst am unterricht teilnehmen, wenn die schulgebuehr bezahlt ist. 398000 kw, etwa 80 euro. Andererseits wird verspaetete anreise bestraft, und zwar durch steine klopfen. Steine werden ohne weiters werkzeug aufeinander geschlagen und in etwa faustgrosse stuecke geteilt. Es gilt zwei schubkarren voll herzustellen. Die steine werden fuer gebaeude und oder fundamente verwendet und kommen also der entwicklung der schule zugute. Ich selbst habe diese arbeit noch nicht ausprobiert, aber dem aeusseren anschein nach ist sie leichter als vermutet. An einem nachmittag scheint das soll erfuellbar ohne sich sehr zu erschoepfen.
Mir selbst kommt es dennoch irgendwie barbarisch vor, eine ansicht, die die betroffenen schueler nicht teilen. Aber immerhin ist es ja ein versaeumnis der eltern, dass den schuelern dort angelastet wird.
Waehrend der ferien gab es in der schule eine art kongresstreffen der united church of zambia, die auch traeger der schule ist. Es wurde keine nutzungsgebuehr erhoben, aber um spenden zum wohle der schule gebeten. 2 milionen kw, etwa 400 euro, kamen zusammen. Das sind die beachtlichen allerdings auch einzigen bemuehungen zur weitern geldbeschaffung von sponsoren.
Das geld wurde sofort in 19 matrazen investiert, die auch schon gestern geliefert wurden.
Ausserdem ist ein neuer Lehrer angekommen und wird in kuerze seinen dienst aufnehmen.